Wenn ein OB nur geduldet ist…

In vielen Städten geht die Wahlbeteiligung bei Oberbürgermeisterwahlen zurück.

Man macht es sich einfach, wenn man in politischen Kreisen von einer Politikverdrossenheit der Wähler spricht und die Sache damit abhakt. Dabei ist gerade dieses „Abhaken“ der Grund dafür, dass sich Bürger in ihrer eigenen Stadt von den Wahlurnen fernhalten.

Gibt es eine größere Niederlage als die, wenn man feststellen muss, dass die Bürger einer Stadt kein Interesse daran haben, wer diese Stadt lenkt und führt? Wenn sich Menschen mit ihrer Heimat nicht mehr verbunden fühlen und somit auch für nichts mehr kämpfen möchten? Wenn sie resignieren, weil sie in der Vergangenheit sowieso nicht viel erreichen konnten?
Gleichgültigkeit ist das Ende einer Gemeinschaft – ein Virus, der Gemeinsamkeiten zersetzt.
Ein amtierender Oberbürgermeister, der es nicht wert ist gewählt zu werden, hat eindeutig an seinen Bürgern vorbeiregiert, ihr Interesse nicht wahrgenommen, zu viel Fremdes in die Stadt katapultiert, Neuerungen durchgesetzt, die den Wähler wohl nicht begeisterten, oder völlig unnötig waren. Da hat wohl auch die Bürgernähe in Feierlaune nichts genutzt, wenn sie sonst unter dem Jahr fehlt. Wenn man sich die Zeit nicht nimmt, die Sorgen und Nöte seiner Einwohner ernst zu nehmen. Seine Abgesandten schickt, um alten Mitbürgern zum Jubiläum den obligatorischen Blumenstrauß zu überreichen – und das auch noch ein paar Tage später. Teures Briefpapier aus dem Rathaus macht auch noch keine Wähler aus, dazu gehört ein bisschen mehr.
Wundert man sich, dass die Wahlbeteiligungen bei Bundestagswahlen auch immer mehr in den Keller gehen? Wenn es Politiker in der eigenen Stadt nicht schaffen ihre Bürger zu mobilisieren, für Politik zu begeistern, Ihnen das Gefühl geben können, auch ein Teil von Entwicklungen und Veränderungen zu sein? Hat man vielleicht zu sehr auf die geachtet, die man als Stammwähler sicher hat? Politik für die Großen, aber nicht für die Kleinen, vielleicht nur für die Innenstadt und nicht für die Gemeinden?

Eine Wiederwahl, an der sich nicht mal ein Drittel der Einwohner beteiligt hat, ist eigentlich kein Sieg. Das ist das eindeutige Zeichen von den Bürgern einer Stadt nur geduldet zu sein. Da hat man im Vorfeld nicht aufgepasst, die Stimmen im Volk nicht gehört und das ganze acht Jahre lang.
Mit welchem Gefühl geht so ein Oberbürgermeister in die nächste Amtsperiode? Es bleibt zu hoffen, dass nicht alles auf die Politikverdrossenheit geschoben wird, sondern ernsthafte Änderungen in Zukunft zu erwarten sind. Änderungen, die die Bürger einer Stadt wieder motivieren. Ihnen das Gefühl zurück gibt, ein Teil dieser Stadt zu sein, beachtet und ernst genommen zu werden, um beim nächsten Mal ihre Anerkennung dem Oberhaupt mit einer Stimme bei der Wahl zu zeigen.

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Posted on 28. September 2015 at 9:32

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